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Der Dichter stand im Garten

Rebblatt im Gegenlicht
Kaiserstuhl – Herbst – Rebblatt im Gegenlicht.jpg aus Wikimedia-Commons via Flickr. Fotograf: kvd. Lizenz: CC BY 2.0

Ein herbstliches Gedicht (frei nach Heinrich Heine).

Der Dichter stand im Garten
Und war nicht dumm noch stumm.
Er konnt es kaum erwarten:
Das Äquinoktium.

Herr Dichter! Sie Spätzünder
Was regen Sie sich auf?
Lenz, Sommer, Herbst und Winter
Das ist der Jahreslauf.


Gedicht: Geoz im Wikipedia-Café. Bearbeitung: Christoph Waghubinger (Neue Einleitung, Nebenbemerkungen entfernt). Lizenz: CC BY-SA 3.0

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Zu Hilfe!

Richtschwert
Detalj klinga – Livrustkammaren – 48167 II. Foto: Göran Schmidt auf Wikimedia-Commons. Lizenz: CC-BY-SA-3.0

Ein jugendlicher Vielleser bat neulich im Wikipedia-Café dringend um neuen Lesestoff. Zahlreiche hilfsbereite Wikipedianer versorgten ihn daraufhin mit Tipps, angefangen bei den Lustigen Taschenbüchern, den Scheibenwelt-Romanen, bis hin zu Kafkas Prozess und einem Kommentar zum Bürgerlichen Gesetzbuch. Der bemerkenswerteste Beitrag stammt allerdings von einem kreativen User:

Du hast Glück! Erst vorhin habe ich in der Bücher-Grabbelkiste bei Woolworth gewühlt und mir ein paar Klappentexte notiert:

„Der Dickdarmsammler“: Im Bankenviertel von Helsinki geht die Angst um. Immer wieder werden in anrüchigen Kontaktsaunen grausam verstümmelte Frauenleichen gefunden. Gegen den Willen ihres Vorgesetzten beginnt die erfolgsverwöhnte Tatortreinigerin Silja Valkeapää undercover zu ermitteln. Getarnt als Putzfrau versetzt sie sich mit weiblicher Intuition in das kranke Hirn des bestialischen Serienkillers, und kommt der grauenvollen Wahrheit auf die Spur. Der Täter hat Verbindungen in allerhöchste Kreise, bis hinein in die Geschäftsleitung von IKEA. Dann entdeckt sie einen Horror, der alles bisher da gewesene in den Schatten stellt: Kopien ihrer eigenen Darmspiegelung. Für Silja beginnt nun ein dramatischer Wettlauf gegen die Zeit.

„Die Abdeckerin“: Rotenburg ob der Tauber, 1573: Nach dem Tod ihres geliebten Vaters hat Heloysia Metzel, das einzige Kind des reichsstädtischen Abdeckers, nur einen Wunsch: die Weiterführung der ererbten Abdeckerei. Doch die strengen Satzungen ihrer Zunft verbieten Frauen die Ausübung dieses uralten Gewerbes. Da fasst sie einen waghalsigen Plan: Als Mann verkleidet, gibt sie sich als ihr verschollener Bruder Matthias aus, und mit Tatkraft und Verstand kann sie ihr Ziel erreichen: das Amt des Wasenmeisters. Unterstützt wird sie hierbei einzig durch den jungen Glücksspieler Balthasar von Blankenstein, der nicht nur sein Herz an sie verliert. Doch da kehrt unversehens ihr tot geglaubter Bruder zurück: als Scharfrichter im Gefolge des Ketzerjägers Zebulon Graus von Streckeisen. Als die Beziehung zwischen ihr und Balthasar bekannt wird, schweben sie beide in höchster Gefahr, denn der junge Adlige wird unter der Anklage der Sodomie gefangen genommen. Doch Heloysia kämpft mit allen Mitteln um ihr Lebensglück. Ein praller Historienroman aus schicksalsschweren Zeiten.

„Der Leghorn-Trail – Tausend Hühner für Durango“: Nach Goldfunden in der Sierra Madre strömen Massen von Abenteurern und Gesetzlosen in die Gegend. Die Nuggets sitzen so locker, wie die Zähne, und das einzige, was fehlt, ist ein gelegentliches Huhn im Topf. Einige Minenbesitzer suchen nun nach einem fähigen Trail-Boss, der diesem Missstand abhelfen soll. Doch dieser Herausforderung ist nur einer gewachsen: Slate McCool, ein ehemaliger Leutnant der Südstaaten-Armee, der in den Weiten der Badlands verwilderte Haushühner jagt. Es gelingt ihm, einen stolzen Leitgockel zu zähmen, und eine Handvoll der härtesten Männer seiner Zeit um sich zu scharen. Nun beginnt der lange Ritt nach Süden. Doch entlang des Trails lauern nicht nur blutgierige Hühnerhabichte und Apachen auf der Jagd nach frischen Federn. Die gleichermaßen temperamentvolle, wie anachronistische Tierschutzaktivistin Prudence Mahoney sorgt darüber hinaus für böses Blut und heiße Nächte.
Viel Spaß ;-) Geoz (Diskussion) 17:47, 2. Dez. 2015 (MEZ)

Einleitung: Christoph Waghubinger
Café-Beitrag: Geoz
Textlizenz: CC-BY-SA-3.0-AT

Der Vatikan wird grün

Recycling-Schild
Schild mit Umweltzyklus.  Foto: Patrik Nylin auf Wikimedia Commons (Atervinning20150715.JPG), Lizenz:  CC-BY-SA-4.0

 

Kurze Zeit nach der „Umweltenzyklika“ Laudato Si’ von Papst Franziskus führt der Vatikan einige ökologische Neuerungen ein. Diese betreffen Landwirtschaft, Energiesparen und Wiederverwertung:

  • Inspiriert von den Gleichnissen Jesu forciert die katholische Kirche künftig Bio-Saatgut. Bio-Samen für Dinkel, Hafer, Tomaten, Gurken, Blumenkohl, Kohlrabi, etc. werden unter der Marke „Wort Gottes“ vertrieben.
  • Der Vatikan dreht das ewige Licht ab und beendet so eine mehrhundertjährige Energieverschwendung. Das neue Licht wird während der Messe leuchten und nach dem Segen von Rot auf Grün schalten.
  • Der Papst wird keine energieintensiven Enzykliken mehr herausgeben, sondern ausschließlich CO2-neutrale Recykliken.

Autor: Christoph Waghubinger
Lizenz: CC-BY-SA-3.0-AT

Der Bücherwurm

Der Bücherwurm von Carl SpitzwegDer Bücherwurm, wie er kritisch den Wortlaut der Quellen mit vier Folianten jonglierend in vollem Einsatz des Körpers vergleicht, professionell mit großem Taschentuche zur Reinigung der erst verstaubten, dann von Handschweiß benetzten Bände, bevor er sie an die richtige Position zurückstellt, ausgestattet, der helle, in jugendlicher Wissbegierde weiß gewordenen Kopf wie das Modell einer Sonne dem grünlichen Erdglobus im Bildvordergrund etwas Licht verleihend, ist einer der letzten Hoffnungsträger, wie er sich auf der Trittleiter der geistigen Herausforderung der mächtigen Bücherwand entgegenreckt, der im dunklen und einsamen Labyrinth der Bibliothek das Regal der metaphysischen Werke aufsucht und Expeditionen des Lesens hinein unternimmt um den schwersten unbeantworteten Fragen eine erhellende Antwort zu erjagen, todesmutig trotzend dem im alten Papier wohnenden modernden Schimmelpilz und dem die Regalwand auf gefährliche Weise destabilisierenden tickenden Holzwurm.

 Text: Benutzer Rosenkohl auf der Diskussionsseite der Wikipedia-Auskunft (Archiv 2010)
Bearbeitung: Christoph Waghubinger (etwas gekürzt, Typografie, Typos, Überschrift)
Textlizenz: CC-BY-SA-3.0-AT
Bild: Carl Spitzweg 021.jpg auf Wikimedia Commons
Bildlizenz: PD