Archiv der Kategorie: Kurzprosa

Irrer Friedhof

„Mensch Killian, dieser Schrottplatz schimpft sich Friedhof.“
„Pst, nicht so laut, Xaver. Hier trauern Menschen.“
„Um Schrott.“
„Um Autos.“
Xaver fotografierte ein Prachtmosaik und trat für das gesamte Gebäude ein paar Schritte zurück: „Vergoldetes Tor, Goldkuppel, vier Türme, Mosaik ‚Himmelfahrt eines Ferrari‘. Wär so was Abgefahrenes nicht für unsereinen?“
„Nein, eine Garage ist nicht angebracht.“
„Zugegeben: Der Besitzer des Ferrari fand das auch und ließ seine Asche mit einer Kanone verschießen.“
„Das ist passend für einen Waffenproduzenten.“
„Und unser Architekt und Mosaikkünstler war Jaguarfutter.“
„Diese Spende an den Zoo war anständig. Denk an die strahlenden Kinderaugen.“
„Aber er hat kein Grab. Was soll ich stattdessen fotografieren? Einen Jaguar?“
„Nein, das Grabmal seines Citroën 2CV, oder seiner Ente, wenn du das besser verstehst.“
„Ach Killian.“


Autor: Christoph Waghubinger
Lizenz: CC BY-SA 4.0

Das Brückenlachen

Brücke
Unterhimmel.jpg aus Wikimedia Commons, Foto: Michael Brezocnik, Lizenz: CC BY-SA 3.0 AT

„Teufel, wer ist das?“ Er dreht sich um, aber sieht niemanden: „Ja, lacht mich die Natur aus?“
Noch bis eben war ihm alles ideal erschienen: Das Licht, der Blick von der Brücke, die Kameraeinstellungen, aber gleich darauf entdeckte er einen fettigen Film auf der Linse. Kaum hatte er sie gereinigt, zog eine Wolkenbank vor die Sonne. „Hundert Fotos für nichts. Vielleicht hätte ich opfern sollen?“
Er denkt an einen Film: Eine Tanzlehrerin steht auf einer Brücke und kramt nach Kleingeld, aber ein Windstoß weht ihre Dollarscheine in den Fluss. Bald darauf macht sie Karriere, nicht als Tanzlehrerin, aber als Radiopsychologin. „War das ein Flussgott? Hier bei mir siehts nach einem Kobold aus. Opfert man Kobolden? Nein, das ist doch Quatsch.“
Er trinkt aus einer Colaflasche und steckt sie ein, ohne sie zuzuschrauben. Als die Sonne durchbricht, lässt sich die nasse Kamera einschalten, aber schießt von selbst Reihenaufnahmen. Die Bilder werden brillant und am Monitor erscheint das Menü einer zehnmal teureren Profikamera. Er dreht sich um: „Mein Gott, wer lacht hier?“


Autor: Christoph Waghubinger
Lizenz: CC BY-SA 4.0

Wenn du willst

Edelweiß
Edelweiß – South Tyrol 02.jpg aus Wikimedia Commons. Foto: Noclador, Lizenz: CC BY-SA 3.0

„Pfeif auf das Alpenpanorama und das idiotische Edelweiß! Du hast doch schon von Außerirdischen gehört?“
„Wie denn nicht! Du redest die ganze Zeit davon.“
„Sogar dir werden die Augen aufgehen! Es ist so wundervoll, dass sie gelandet sind.“
„Aber dort unten in dieser Wildbachschlucht? Wo soll da eine Untertasse hinpassen?“
„Sieh genau hin und geh nicht von diesen albernen Hollywood-Klischees aus.“
„Ich seh nichts als Kajakfahrer dort unten.“
„Das sind keine Kajakfahrer, sondern glühende Pro-Außerirdische-Aktivisten.“
„Was zum …? Moment, ich habs! Ich brauche ein Handy mit so was wie Pokémon Go. Richtig?“
„Verflixt! Hier geht es nicht um eine eskapistische Spielerei, sondern um eine Sensation, eine Herausforderung an die Menschheit!“
„Okay, okay, nehmen wir an, es ist so: Gibts da unten auch Anti-Außerirdische-Aktivisten? Irgendwer ist doch immer dagegen.“
„Nazis? Nein, die sind zum Glück verschüttgegangen in ihrem Paralleluniversum.“
„Guck mal: ein Rettungshubschrauber. Da braucht jemand dringend Hilfe.“
„Das ist kein Rettungshubschrauber, sondern der Helikopter eines Fernsehsenders! Er zeigt das lebhafte Medieninteresse an der Ankunft.“
„Und wo sind deine Außerirdischen eigentlich?“
„Denk doch mal ein bisschen nach: Es sind nicht meine Außerirdischen!“
„Also gut, wo sind die Marsmännchen?“
„Marsmännchen ist nicht nur falsch, sondern übel rassistisch. Wir sollten sie Extraterristen nennen, oder noch besser: Glücksbringende.“
„Glücksbringende? Bist du so veranlagt?“
„Aus und Schluss! Auf diesem Niveau diskutiere ich nicht.“
„Egal, jetzt sieht man ohnehin nichts mehr: Der Hubschrauber ist weg, deine Kajak-Aktivisten auch und in der Schlucht ist es dunkel und nebelig. Jetzt gibts hier so gar nichts mehr als das Alpenpanorama und ein idiotisches Edelweiß.“
„Äußere dich wenigstens nicht so abschätzig über unsere Natur.“
„Ja, aber sollte ich nicht auf sie pfeifen?“
„Nein, nein, jetzt nicht mehr.“
„Gerne, wenn du willst.“

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Autor: Christoph Waghubinger
Lizenz: CC BY-SA 4.0

Wirrköpfe und Kunstköpfe

Holzengelskopf
Holzengelskopf. Gotland-Fole kyrka Kanzel 02.jpg. Foto: Wolfgang Sauber, Lizenz: CC BY-SA 3.0


Bei starkem Eigenwillen in Form eines „eigenen Kopfes“ (auch Wirrkopf) werden entweder ein Kopftausch oder ein behördliches Zertifikat empfohlen. Fehlt dieses, wird der Kopfträger möglicherweise sozialen Druck über Mobbing, Diskriminierungen, vorläufigen Festnahmen, bis hin zu Sicherheitsverwahrungen ausgesetzt. Ein solcher Kopf beeinträchtigt schließlich durch zahllose Flausen und Faxen die Konzentration auf als gesellschaftlich wertvoll erkannte, aber völlig geistlose Aufgaben und ist als Unikat niemals vollständig kompatibel mit anderen eigenen Köpfen. Dies führt oft genug zu fatalen Missverständnissen und ist ein bedeutender Grund für einen Austausch. Dieser sollte bei der Einschulung erfolgen, zumindest aber vor dem Wechsel in eine weiterführende Bildungseinrichtung. Eigene Köpfe bleiben zumeist höchsten Führungspersönlichkeiten vorbehalten, sowie – unter strengsten Auflagen – Spezialisten für Kopfentwicklung, -herstellung und -wartung.

Austauschbare Kunstköpfe bestehen aus Holz, Stroh, Gips, Beton, sowie aus günstigen, bezuschussten Pappmaschee und Holzspan. Synthetische Werkstoffe (ugs. Plastik) gelten, anderes als früher, als umweltgefährdend und werden nur sparsam eingesetzt. Kork und Glas sind wenigen Spezialanwendungen vorbehalten und der teure, schwer bearbeitbare, Marmorstein wurde als veraltet ausgesondert. Vorreiter bei Kaufköpfen ist Holz mit Resonanzräumen: Das in Jahresringen gewachsene Material ruht in sich selbst und neigt kaum zum Zweifeln. Bei schweren Fehlentscheidungen und Irrtümern bewirken dagegen kräftige Schläge auf den Hinterkopf rasche gedankliche Richtungsänderungen – hierbei erklingen xylophonartige Töne. Einheimische Hölzer wie Eiche, Buche oder Tanne werden bevorzugt, wenn auch Tropenhölzer, wie Teak oder Mahagoni, unbestreitbare Vorteile in Haltbarkeit und Klangschönheit bieten. Sind Splitter- und Bruchgefahren berücksichtigt, können Holzspanköpfe problemlos Holzköpfen assistieren. Erstere neigen produktionsbedingt zu vermischten und zusammengestöpselten Weltbildern (Synkretismus), dies kann jedoch durch die Verwendung von Spänen einer einzigen Holzart weitgehend neutralisiert werden. Beide Kopftypen empfehlen sich für untergeordnete Persönlichkeiten in nicht exponierten, mäßig verantwortlichen Positionen.

Gips wird bei Künstlern und Intellektuellen bevorzugt. Es handelt sich hierbei um ein weiches, gut formbares Material. Ein solches Gipshaupt, gelegentlich als „Eierkopf“ bezeichnet, ersetzt den alten Marmor, dessen „ewiger Nachruhm“ durch „nachhaltige Vorbildwirkung“ ersetzt wurde. Diese dauert keine Äonen, sondern nur höchstens zwei bis drei Generationen und hierzu reicht Gips aus. Abseits dieser hohen Sphäre gibt es zwei bedeutende Ausnahmen: Da Künstler der sogenannten „leichten Muse“ meist flachere Klischees verwenden, gilt Pappmaschee hier als kreatives Material der Wahl. Ein Vorteil liegt in der günstigen und schnellen Herstellung, nachteilig wirken mangelhafte Haltbarkeit und hohe Entflammbarkeit. Die massenhafte Vergabe an Bedürftige führte übrigens zu einer enormen Freizeit- und Hobbyproduktion. Ein mögliches Alternativmaterial in weltanschaulich eher fordernder Umgebung ist Kork, der bei geringem Gewicht für eine gute gedankliche Durchlüftung sorgt. Die sogenannte „gehobene Unterhaltung“ sucht dagegen die Annäherung zum elitären Gips oder gar Marmor. Diese wird erreicht durch Imitationen durch Kunststoffarten wie Thermoplaste, Elastomere, Duroplaste. Auf diese Art erscheinen selbst die ältesten und flachsten Klischees authentisch und unverbraucht. Es handelt sich hierbei um Nachahmungen von Nachahmungen. Bei nachlässiger Handhabung neigen solche Materialien zu toxischen Gedanken mit umweltschädlichen Assoziationen. Ursprünglich sollten sie nach und nach alles Übrige ersetzen, wovon wegen solcher Problematik Abstand genommen wurde. Eines der Relikte dieses Vorhabens sind die sogenannten „Plastik“-, bzw. „Flaschenköpfe“ aus PET-Kunststoff (Polyethylenterephthalat). Es handelt sich um nicht weiterentwickelte Basisversionen, die heute wegen ihrer Vielseitigkeit andere Materialien ergänzen. Eine dieser Eigenschaften ist die Diffusion von PET, die nur von Kork qualitativ übertroffen wird. Flaschenköpfe in gehobenen, repräsentativen Positionen bestehen dagegen aus ökologisch unproblematischen, verkorkten Sicherheitsglasflaschen. Klares Glas mit klarer Flüssigkeit, oder auch ungefüllt, bürgt für Brillanz und Transparenz.

Nun wieder zu einem nachwachsenden Rohstoff: Getreidestroh wird verwendet, wenn weder Intellektualität, noch genialische Kreativität, sondern seismografische Sensibilität erforderlich sind. Sein beständiges Rascheln und Knistern hält den Inhaber stets kritisch, hellwach und aufmerksam. Dieses Material ist allerdings vielseitig: In gröberer Qualität eignet es sich als dämpfendes Ballenstroh zum Abfangen von wütenden Beschwerden und Protesten. Gelegentlich wird auf Kautschuk zurückgegriffen und nur in anspruchsvollsten Situationen auf hitzebeständige Elastomere. Wird dagegen unbedingte Unnachgiebigkeit gefordert, empfehlen sich quadratische Betonköpfe. Es ist allerdings angeraten, dieses Material offen zu kommunizieren, wie durch die Verwendung von Sichtbeton. Bei aller Brutalität erfährt dieser regelmäßige Renaissancen, wie etwa in der modernen Architektur. Die bei Getreidestroh und Sichtbeton assistierenden PET-Flaschenköpfe werden gegebenenfalls mit grobem Stroh ausgestopft oder mit Beton ausgegossen. Im zweiten Fall ist eine längere Verwendung denkbar.

Abschließend bleibt Folgendes festzuhalten: In den meisten Fällen bringt ein Kopfaustausch ausschließlich Vorteile, wie das Vermeiden von enormen Leidensdruck. Nicht zertifizierte eigene Wirrköpfe riskieren ihre Verhaftung und welche mit Sicherheitszertifikat haben sich regelmäßigen Kontrollen mit Kalibrationen und Validationen zu unterziehen. Dies verunmöglicht in beiden Fällen ein normales Leben, wie mit Holz, Stroh, Gips oder Beton. Kunstköpfe garantieren dagegen den Untertanen Ruhe und der Herrschaft Planungssicherheit.

Nun eine Liste mit empfehlenswerter Literatur für Kinder, Jugendliche und Erwachsene (Abkürzungen K, J, E):

  • Wer hat noch keinen Wechselkopf? Annemarie Abschaedler, Birnen-Verlag (K, 8–12)
  • Strohköpfchen und Holzlöckchen. Ein Märchen von Prof. Dr. Horst Gießvogel, Verlag Tuscher (K, 3–6)
  • Ein neues Lämpchen für unsere kleine Leuchte. Wilhelmine Blitzer, Austausch-Verlag (K, 5–8)
  • Durch und mit Vollgips überlegt handeln. W. M. Bein-Bruch, Gypsum (E)
  • Wir betonieren dir Einen. Benedikt Hartenschädler, Concrete (J)
  • Mit Bohnenstroh in die neuen Zeiten. Valentina Knister, Kaffeesatz Verlag (J, E)

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Autor: Christoph Waghubinger
Lizenz: CC BY-SA 4.0

Querflötist begleitet eigene Gehirn-OP

Zerlegte Querflöte
Disassembled Flute.png aus Wikimedia Commons. Foto: Alessandro Forghieri, Lizenz: CC BY-SA 3.0

WALZ. Der cancanisch-amerikanische Querflötist Valentine R. Nimmerkenning verlor in der diesjährigen fünften Jahreszeit durch heftige Stammtischmusik sein Gefühl für Flötentöne und produzierte seitdem ausschließlich alarmierende Geräusche. Da eine gewöhnliche Therapie Jahre gedauert hätte und wenig aussichtsreich schien, nahm er das Angebot seines Tanzorchesters „Glattes Parkett“ zu einer kostenlosen Benefiz-Gehirnoperation unter Teilnahme internationaler Medien an. Seine Stellungnahme im Vorfeld zu Gefahren, Chancen, Nutzen und Notwendigkeiten: „Dies ist eine einzigartige Gelegenheit, denn ich habe eine Familie zu ernähren und diese Beeinträchtigung bedroht mein Engagement im Orchester. Eventuellen kognitiven Einschränkungen sehe ich gelassen entgegen, wenn nur meine kompromisslose künstlerische Integrität erhalten bleibt.“

Der Eingriff fand in der cancanischen Hauptstadt Walz am 33. Märzember im Musikklinikum St. Cäcilien statt. Es operierte das Team des international renommierten Spezialisten Bartholomew V. Eisenfloeten. Da das Gehirn selbst, mit Ausnahme der Hirnhaut, schmerzunempfindlich ist, blieb Nimmerkenning während des Eingriffs bei vollem Bewusstsein und spielte Querflöte. Durch Standard-Notenblätter konnten die Chirurgen nun mit präzisen Eingriffen das Spiel kalibrieren. Beratend zur Seite stand der Orchesterleiter Adolphe Herbert von der Teppich. Ob der erzielte Effekt von Dauer ist, wird sich innerhalb der nächsten Wochen zeigen. Bei einer kurzfristig anberaumten Pressekonferenz im Klinikum am Tag nach der Operation meinte Eisenfloeten: „Die natürliche Beschaffenheit des Cerebrums ersparte uns die Anästhesie. Durch die somit mögliche Echtzeitkontrolle erreichten wir hohe Präzision und reduzierten die Zahl der nachfolgenden Justagen auf ein Minimum. Unsere zusätzlich erfolgte Schmerzfreimachung der Hirnhaut durch dauerhafte Analgesie, befreit den Patienten von Kopfschmerzen aller Art. Dies wird ihm das künftige Spiel entscheidend erleichtern. Abschließend möchte ich mich für den häufigen Zwischenapplaus bedanken: Er wirkte äußerst motivierend auf das Team und den Patienten. Das Walzer Publikum ist großartig!“

Der Orchesterleiter erwiderte Journalistenfragen zu humanitären Aspekten, sowie weiteren Plänen: „Die Gehälter der Chirurgen werden von diesen vollständig an die Hilfsorganisation ‚Falschspieler in Not‘ gespendet. Dafür sei Mister Eisenfloetens Team noch einmal herzlichst gedankt. Das Gleiche geschieht mit dem Überschuss der Einnahmen aus Eintritt, Übertragungsrechten und Sponsoring. Was die Zukunft betrifft, ist uns nicht nur an der Besserung des Mitgliedes gelegen, sondern auch daran, solche tragischen Fälle zu minimieren. Wir griffen zu dieser radikalen Methode, da es nicht sinnvoll erscheint Querflötisten zu Blockflötisten umzuschulen. Nun erreichen wir Ähnliches eventuell auf andere Weise: Wir beabsichtigen Herrn Nimmerkennig künftig als gut klingendes Standard-Vorbild an andere cancanische Klangkörper auszuleihen. Dies hätte bereits kurz- bis mittelfristig stark nivellierende Wirkungen.“
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Autor: Christoph Waghubinger
Lizenz: CC BY-SA 4.0

Immer wieder

Blaue Berge
Summit photo Zugspitze.jpg aus Wikimedia-Commons. Foto: CatalpaSpirit; Bearbeitung (Ausschnitt, gedreht): Christoph Waghubinger. CC BY-SA 4.0

EINE FABEL

Der Esel blieb so plötzlich auf dem Bergpfad stehen, dass der Lipizzaner hinter ihm ins Straucheln geriet. Einige Steine lösten sich und fielen mehrfach aufschlagend in den Abgrund.
„Damn! Are you crazy? Ich hätte mir die Knöchel verstauchen können oder schlimmeres.“
„Wir sollten doch umkehren und einen Umweg nehmen, denn hier passiert womöglich bald ein schlimmes Unglück.“
„Dann krieg ich Troubles mit der Hofreitschule! Ich dürfte gar nicht in den Mountains herumtrekken, so vertragsmäßig, also bitte Klartext, Guide.“
„Also gut. Es geht um drei Sachen, eine wichtiger als die andere: genau hier habe ich vor zwei Jahren entsetzlichen Schluckauf bekommen.“
„Huh, who cares? Was ist Nummer zwei?“
„Bei dieser Latschenkiefer da vorne links, hat mich im letzten Jahr ein brutaler Mensch schlimm gepeitscht.“
„You jackass! Geh zur Seite, ich finde den Weg alleine!“ Nach diesen Worten stürmte der Lipizzaner voran und verschwand hinter einer Wegbiegung. Der Esel blieb verdattert stehen und rief nach einem Augenblick: „Und drittens ist der Weg dort vorne abgerutscht!“

Gleich darauf erscholl ein rasch leiser werdender Schrei, dem ein dumpfer Aufprall folgte. Der Esel lief zur Abbruchstelle und sah bestürzt auf den zerschmetterten Lipizzaner: „Nein! Nicht schon wieder!“


Autor: Christoph Waghubinger
Lizenz: CC BY-SA 4.0