Archiv der Kategorie: Humor

Biene und Schmetterling

Der Boxer Ferdinand Schnalzer konnte nach nur einem halben Jahr wieder feste Nahrung zu sich nehmen, seine Nase und sein Gebiss waren rekonstruiert worden und auch die Sprünge im Schädel verheilt. Die Ärzte sprachen von einem Wunder: es bleibe nur eine sogenannte „weiche Birne“ zurück, wie sie bei Boxern üblich sei. Er hatte zuvor während einer Reise durch die Vereinigten Staaten mit einem berühmten Kollegen gesprochen, dem, wie er sagte: „Völlig aufgeblasenen und überbewerteten Angeber Muhammad Ali.“ Dabei kam es zu folgendem Dialog:
„Merk dir eines, Fremder: Ich schwebe wie ein Schmetterling und steche wie eine Biene.“
„Genau. Du stichst wie die Biene Maja.“
„Diese Bienenart kenne ich nicht, sag du es mir.“
„Aber das ist egal, du Schmetterling. Biene ist Biene.“
„Ich werde mich informieren.“
Nach einer Weile kam der Weltmeister zurück: „Meine Brüder schwören, dass es eine Witzfigur für Kinder ist. Entschuldige dich!“
„Ach woher denn, oder nein, jetzt weiß ich es: Du schmetterst mir sonst eine?“

Muhammad Ali finanzierte Schnalzer danach eine Behandlung in einer Privatklinik. Er sagte: „Ich denke manchmal nicht darüber nach, was ich tue, aber ich weiß, dass es richtig ist.“


Autor: Christoph Waghubinger, Lizenz: CC BY-SA 4.0

Im inneren Kreis

Ich überprüfe meine Bilder: „Verflixt. Alle abgesoffen oder ausgerissen.“ Das Wandgemälde, vor dem ich stehe, ist eine stilisierte Blüte aus sieben Kreisen. Sechs davon sind Blütenblätter mit Münchner Stadtansichten, aber im Blütenkorb überstrahlt ein mit Leuchtfarben gemaltes Comic-Porträt. Jetzt erscheint eine Mutter mit ihrem kleinen Sohn, der offenbar Nepumuk heißt. Sie hält ein Quiz über die Ansichten ab, aber das Kind interessiert sich nur für das strahlende Porträt. Ich vergesse darüber meinen Ärger und die neuen Bilder gelingen mir. Am Ende seufzt die Mutter: „O Pumuckl.“


Autor: Christoph Waghubinger, Lizenz: CC BY-SA 4.0

Die Einschaltung

Die Musik verstummte, dann ertönte eine Stimme: „Es folgt eine Einschaltung im öffentlichen Interesse“. Nach lautem Knacken und Rascheln blieb es dann allerdings still. Fabian überlegte, was interessant sein könnte, griff zu Papier und Stift und notierte ein paar Vermutungen. Als die Übertragung wieder anging, war die Einschaltung vorbei und Schlagermusik lief. Fabian drehte ab, rief beim Sender an und bedankte sich für die anregende Unterbrechung.


Autor: Christoph Waghubinger, Lizenz: CC BY-SA 4.0

Im Ernst

Großer und kleiner Pinsel
Big and small paintbrush (Unsplash).jpg. Fotograf: William Felker, Lizenz: CC0 1.0

„Nein, auf dem Kindergarten-Mural wurde nichts übermalt. Der Künstler hatte zuerst einen Entwurf für eine lustige Theaterszene mit einem Kasperle, einem Professor, einem Großvater und einem Teufelchen vorgestellt. Wir lehnten das ab, weil Kinder ein Recht auf ernst zu nehmende Vorbilder haben. Es sei zwar trotzdem gut, auf den autoritären Wachtmeister zu verzichten, aber andererseits schlecht, das Böse zu verniedlichen, wie beim Teufelchen. Solche religiösen Themen solle er vermeiden. ‚Das ist machbar‘, sagte der Künstler, und jetzt haben wir dafür ein Wandbild mit einem Charlie Chaplin, einem Albert Einstein, einem Albert Schweitzer und einem Krokodil.“


Autor: Christoph Waghubinger, Lizenz: CC BY-SA 4.0

Fünf Eigenschaften

Höllenmaschine
Dixi-Rennwagen im Grunewald 25-07-1922.jpg. Foto: unbekannt / Bearbeitung (beschnitten, Tonwert angepasst, Retuschen): Christoph Waghubinger, Lizenz: CC BY-SA 3.0 DE

Die eindrucksvollsten Fortbewegungsmittel vereinen stets fünf Eigenschaften: Sie sind extrem schnell, ihre Bedienung ist gefährlich und sie verursachen enorme Erschütterungen, viel Lärm und große Mengen Abgase. Beispiele dafür sind Dampflokomotiven im 19. Jahrhundert, Automobile im frühen 20. Jahrhundert und bis heute Düsenflugzeuge und Weltraumraketen. Auf den ersten Blick scheint die Geschwindigkeit der einzige Vorteil zu sein, aber man muss auch die Stimulierung aller Sinne berücksichtigen. Hinzu kommt die Befriedigung, eine lebensgefährliche Technologie zu beherrschen. Dies rechtfertigt diese Maschinen, bis sie zu Massenverkehrsmitteln werden, denn ihre Verlangsamung, ein Übermaß an Emissionen und eine einfachere, kaum noch stimulierende Bedienung lassen die Wahrnehmung ins Negative kippen. Wenn nun Lärm, Abgase und Vibrationen reduziert oder sogar beseitigt werden, bleiben reizlose Verkehrsmittel zurück, die von neuen mit den oben genannten Eigenschaften ersetzt werden.


Autor: Christoph Waghubinger
Lizenz: CC BY-SA 4.0

Irrer Friedhof

„Mensch Killian, dieser Schrottplatz schimpft sich Friedhof.“
„Pst, nicht so laut, Xaver. Hier trauern Menschen.“
„Um Schrott.“
„Um Autos.“
Xaver fotografierte ein Prachtmosaik und trat für das gesamte Gebäude ein paar Schritte zurück: „Vergoldetes Tor, Goldkuppel, vier Türme, Mosaik ‚Himmelfahrt eines Ferrari‘. Wär so was Abgefahrenes nicht für unsereinen?“
„Nein, eine Garage ist nicht angebracht.“
„Zugegeben: Der Besitzer des Ferrari fand das auch und ließ seine Asche mit einer Kanone verschießen.“
„Das ist passend für einen Waffenproduzenten.“
„Und unser Architekt und Mosaikkünstler war Jaguarfutter.“
„Diese Spende an den Zoo war anständig. Denk an die strahlenden Kinderaugen.“
„Aber er hat kein Grab. Was soll ich stattdessen fotografieren? Einen Jaguar?“
„Nein, das Grabmal seines Citroën 2CV, oder seiner Ente, wenn du das besser verstehst.“
„Ach Killian.“


Autor: Christoph Waghubinger
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Leicht

Sonnenstrahlen
Volkenschwand (2440932143).jpg. Foto: Bjoern Schwarz, Lizenz: CC-BY 2.0

Der Nachrichtensprecher verlas Katastrophenmeldungen und dazu prasselte Hagel aufs Dach. „Ach“, dachte Horst-Egon und stellte das Radio auf einen Schlagersender um. Gleich darauf sprang es wieder auf den Nachrichtenkanal: „… internationale Kapazitäten bestätigten die schlimmsten Befürchtungen:   Der Erreger verursacht kognitive Störungen. Nach der Erkrankung verwechseln beinahe alle Patienten Humor mit Ernst, danach kommt es zu Visionen von albernen, ungefähr zwanzig Zentimeter großen Männchen. Ein Vertreter der Vereinigten Clowndoktoren sagte,  dies sei die größte Bedrohung seit.…“ Das Radio ging mit einem Knacks aus und von der Kommode fiepste es: „Ich bin nicht albern. Diese Kaputtzitäten sind Clowndeppen!“

Horst-Egon sah auf die zwanzig Zentimeter große Erscheinung, sah dann wieder weg, schüttelte den Kopf und schloss die Augen: „Ist das ernst?“

Das Radio ging wieder an: „Nun zum täglichen Gesundheitsschnelltest: Wir verlesen ausgesuchten Humor aus der Sammlung ‚Lieber Herr Witzepräsident‘, gleich danach folgt eine Rede unseres Gesundheitspräsidenten. Wenn Sie über die Witze lachen und bei der Rede ernst bleiben, verstehen Sie Humor korrekt und sind gesund, sollte es umgekehrt sein, sind Sie wahrscheinlich bereits erkrankt. Absolvieren Sie den Test in Gesellschaft und beobachten Sie die Reaktionen der anderen Anwesenden. Die Clowndoktor-Notfallhotline ist rund um die Uhr besetzt.“

Er wollte mit der Fernbedienung ausschalten, aber irgendetwas verdeckte den Sensor. Obendrein lag plötzlich ein käsiger Geruch in der Luft: „Ob ernst oder nicht: Hier ist was.“
Die Erscheinung vergaß nun ihre Wut und schüttelte sich vor Lachen. Ihn berührten zwar nicht die Kinderwitze, aber umso mehr dieses Gelächter, das aus sehr rasch hintereinander ausgestoßenen Fieptönen bestand.

Nun folgte die Rede: Der Präsident fasste die Erkenntnisse zusammen und rief junge Menschen auf, mit älteren Erkrankten zu diskutieren. Danach mahnte er zur Einhaltung der Vorschriften, damit es nicht zum Worst Case komme. Nun ging das Radio aus. Die Erscheinung, die bis dahin wortlos zugehört hatte, schüttelte den Kopf: „Wieso nicht zum Wurstkäs’?“

Bereits das Gelächter hatte Horst-Egon erschüttert, aber jetzt war ihm, als wäre etwas Schweres in ihm zerbrochen. Er begann zu lachen und es klang, als würde ein Ölfass gluckernd auslaufen. Das Männchen begriff nicht und kicherte verwirrt, dann trat es einen Schritt zurück und stieß an den Einschaltknopf. Das Radio ging für ein paar Sekunden an und plärrte einen Superhit: „Du kleines Symptom, du!“ Erschrocken sprang es wieder nach vorn, fiel hin und kam knapp vor der Plattenkante zu liegen. Horst-Egon gluckste immer noch, aber schließlich trat Stille ein, auch das Trommeln am Dach hatte aufgehört. Der Erscheinung wurde noch unbehaglicher. Um irgendetwas zu sagen, begann sie: „Magst du Wurstkäse?“, aber das Gegluckse ging davon nur wieder los und sie rief: „Aufhören, aufhören!“, und als das nichts nützte: „Dann sag mir, dass ich nicht albern bin und auch kein Siphon!“

„Albern und Symptom. Das ist doch Wurst und Käse! Mensch, du bist ja so was von gelungen.“
Das kleine Gesicht entspannte sich und in den Augen erschien freudiger Glanz: „Wirklich? Und ich bin gelungen? Und ein Mensch?“ Dann verdunkelte sich der Blick: „Aber meinst du das ernst?“

Er stutzte und spürte einen Ruck in seiner Brust. Dann war ihm leicht.


Autor: Christoph Waghubinger, Lizenz: CC BY-SA 4.0


Letzte Fassung von 10. November 2021

Wenn du willst

Edelweiß
Edelweiß – South Tyrol 02.jpg aus Wikimedia Commons. Foto: Noclador, Lizenz: CC BY-SA 3.0

„Pfeif auf das Alpenpanorama und das idiotische Edelweiß! Du hast doch schon von Außerirdischen gehört?“
„Wie denn nicht! Du redest die ganze Zeit davon.“
„Sogar dir werden die Augen aufgehen! Es ist so wundervoll, dass sie gelandet sind.“
„Aber dort unten in dieser Wildbachschlucht? Wo soll da eine Untertasse hinpassen?“
„Sieh genau hin und geh nicht von diesen albernen Hollywood-Klischees aus.“
„Ich seh nichts als Kajakfahrer dort unten.“
„Das sind keine Kajakfahrer, sondern glühende Pro-Außerirdische-Aktivisten.“
„Was zum …? Moment, ich habs! Ich brauche ein Handy mit so was wie Pokémon Go. Richtig?“
„Verflixt! Hier geht es nicht um eine eskapistische Spielerei, sondern um eine Sensation, eine Herausforderung an die Menschheit!“
„Okay, okay, nehmen wir an, es ist so: Gibts da unten auch Anti-Außerirdische-Aktivisten? Irgendwer ist doch immer dagegen.“
„Nazis? Nein, die sind zum Glück verschüttgegangen in ihrem Paralleluniversum.“
„Guck mal: ein Rettungshubschrauber. Da braucht jemand dringend Hilfe.“
„Das ist kein Rettungshubschrauber, sondern der Helikopter eines Fernsehsenders! Er zeigt das lebhafte Medieninteresse an der Ankunft.“
„Und wo sind deine Außerirdischen eigentlich?“
„Denk doch mal ein bisschen nach: Es sind nicht meine Außerirdischen!“
„Also gut, wo sind die Marsmännchen?“
„Marsmännchen ist nicht nur falsch, sondern übel rassistisch. Wir sollten sie Extraterristen nennen, oder noch besser: Glücksbringende.“
„Glücksbringende? Bist du so veranlagt?“
„Aus und Schluss! Auf diesem Niveau diskutiere ich nicht.“
„Egal, jetzt sieht man ohnehin nichts mehr: Der Hubschrauber ist weg, deine Kajak-Aktivisten auch und in der Schlucht ist es dunkel und nebelig. Jetzt gibts hier so gar nichts mehr als das Alpenpanorama und ein idiotisches Edelweiß.“
„Äußere dich wenigstens nicht so abschätzig über unsere Natur.“
„Ja, aber sollte ich nicht auf sie pfeifen?“
„Nein, nein, jetzt nicht mehr.“
„Gerne, wenn du willst.“

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Autor: Christoph Waghubinger
Lizenz: CC BY-SA 4.0

Wirrköpfe und Kunstköpfe

Holzengelskopf
Holzengelskopf. Gotland-Fole kyrka Kanzel 02.jpg. Foto: Wolfgang Sauber, Lizenz: CC BY-SA 3.0


Bei starkem Eigenwillen in Form eines „eigenen Kopfes“ (auch Wirrkopf) werden entweder ein Kopftausch oder ein behördliches Zertifikat empfohlen. Fehlt dieses, wird der Kopfträger möglicherweise sozialen Druck über Mobbing, Diskriminierungen, vorläufigen Festnahmen, bis hin zu Sicherheitsverwahrungen ausgesetzt. Ein solcher Kopf beeinträchtigt schließlich durch zahllose Flausen und Faxen die Konzentration auf als gesellschaftlich wertvoll erkannte, aber völlig geistlose Aufgaben und ist als Unikat niemals vollständig kompatibel mit anderen eigenen Köpfen. Dies führt oft genug zu fatalen Missverständnissen und ist ein bedeutender Grund für einen Austausch. Dieser sollte bei der Einschulung erfolgen, zumindest aber vor dem Wechsel in eine weiterführende Bildungseinrichtung. Eigene Köpfe bleiben zumeist höchsten Führungspersönlichkeiten vorbehalten, sowie – unter strengsten Auflagen – Spezialisten für Kopfentwicklung, -herstellung und -wartung.

Austauschbare Kunstköpfe bestehen aus Holz, Stroh, Gips, Beton, sowie aus günstigen, bezuschussten Pappmaschee und Holzspan. Synthetische Werkstoffe (ugs. Plastik) gelten, anderes als früher, als umweltgefährdend und werden nur sparsam eingesetzt. Kork und Glas sind wenigen Spezialanwendungen vorbehalten und der teure, schwer bearbeitbare, Marmorstein wurde als veraltet ausgesondert. Vorreiter bei Kaufköpfen ist Holz mit Resonanzräumen: Das in Jahresringen gewachsene Material ruht in sich selbst und neigt kaum zum Zweifeln. Bei schweren Fehlentscheidungen und Irrtümern bewirken dagegen kräftige Schläge auf den Hinterkopf rasche gedankliche Richtungsänderungen – hierbei erklingen xylophonartige Töne. Einheimische Hölzer wie Eiche, Buche oder Tanne werden bevorzugt, wenn auch Tropenhölzer, wie Teak oder Mahagoni, unbestreitbare Vorteile in Haltbarkeit und Klangschönheit bieten. Sind Splitter- und Bruchgefahren berücksichtigt, können Holzspanköpfe problemlos Holzköpfen assistieren. Erstere neigen produktionsbedingt zu vermischten und zusammengestöpselten Weltbildern (Synkretismus), dies kann jedoch durch die Verwendung von Spänen einer einzigen Holzart weitgehend neutralisiert werden. Beide Kopftypen empfehlen sich für untergeordnete Persönlichkeiten in nicht exponierten, mäßig verantwortlichen Positionen.

Gips wird bei Künstlern und Intellektuellen bevorzugt. Es handelt sich hierbei um ein weiches, gut formbares Material. Ein solches Gipshaupt, gelegentlich als „Eierkopf“ bezeichnet, ersetzt den alten Marmor, dessen „ewiger Nachruhm“ durch „nachhaltige Vorbildwirkung“ ersetzt wurde. Diese dauert keine Äonen, sondern nur höchstens zwei bis drei Generationen und hierzu reicht Gips aus. Abseits dieser hohen Sphäre gibt es zwei bedeutende Ausnahmen: Da Künstler der sogenannten „leichten Muse“ meist flachere Klischees verwenden, gilt Pappmaschee hier als kreatives Material der Wahl. Ein Vorteil liegt in der günstigen und schnellen Herstellung, nachteilig wirken mangelhafte Haltbarkeit und hohe Entflammbarkeit. Die massenhafte Vergabe an Bedürftige führte übrigens zu einer enormen Freizeit- und Hobbyproduktion. Ein mögliches Alternativmaterial in weltanschaulich eher fordernder Umgebung ist Kork, der bei geringem Gewicht für eine gute gedankliche Durchlüftung sorgt. Die sogenannte „gehobene Unterhaltung“ sucht dagegen die Annäherung zum elitären Gips oder gar Marmor. Diese wird erreicht durch Imitationen durch Kunststoffarten wie Thermoplaste, Elastomere, Duroplaste. Auf diese Art erscheinen selbst die ältesten und flachsten Klischees authentisch und unverbraucht. Es handelt sich hierbei um Nachahmungen von Nachahmungen. Bei nachlässiger Handhabung neigen solche Materialien zu toxischen Gedanken mit umweltschädlichen Assoziationen. Ursprünglich sollten sie nach und nach alles Übrige ersetzen, wovon wegen solcher Problematik Abstand genommen wurde. Eines der Relikte dieses Vorhabens sind die sogenannten „Plastik“-, bzw. „Flaschenköpfe“ aus PET-Kunststoff (Polyethylenterephthalat). Es handelt sich um nicht weiterentwickelte Basisversionen, die heute wegen ihrer Vielseitigkeit andere Materialien ergänzen. Eine dieser Eigenschaften ist die Diffusion von PET, die nur von Kork qualitativ übertroffen wird. Flaschenköpfe in gehobenen, repräsentativen Positionen bestehen dagegen aus ökologisch unproblematischen, verkorkten Sicherheitsglasflaschen. Klares Glas mit klarer Flüssigkeit, oder auch ungefüllt, bürgt für Brillanz und Transparenz.

Nun wieder zu einem nachwachsenden Rohstoff: Getreidestroh wird verwendet, wenn weder Intellektualität, noch genialische Kreativität, sondern seismografische Sensibilität erforderlich sind. Sein beständiges Rascheln und Knistern hält den Inhaber stets kritisch, hellwach und aufmerksam. Dieses Material ist allerdings vielseitig: In gröberer Qualität eignet es sich als dämpfendes Ballenstroh zum Abfangen von wütenden Beschwerden und Protesten. Gelegentlich wird auf Kautschuk zurückgegriffen und nur in anspruchsvollsten Situationen auf hitzebeständige Elastomere. Wird dagegen unbedingte Unnachgiebigkeit gefordert, empfehlen sich quadratische Betonköpfe. Es ist allerdings angeraten, dieses Material offen zu kommunizieren, wie durch die Verwendung von Sichtbeton. Bei aller Brutalität erfährt dieser regelmäßige Renaissancen, wie etwa in der modernen Architektur. Die bei Getreidestroh und Sichtbeton assistierenden PET-Flaschenköpfe werden gegebenenfalls mit grobem Stroh ausgestopft oder mit Beton ausgegossen. Im zweiten Fall ist eine längere Verwendung denkbar.

Abschließend bleibt Folgendes festzuhalten: In den meisten Fällen bringt ein Kopfaustausch ausschließlich Vorteile, wie das Vermeiden von enormen Leidensdruck. Nicht zertifizierte eigene Wirrköpfe riskieren ihre Verhaftung und welche mit Sicherheitszertifikat haben sich regelmäßigen Kontrollen mit Kalibrationen und Validationen zu unterziehen. Dies verunmöglicht in beiden Fällen ein normales Leben, wie mit Holz, Stroh, Gips oder Beton. Kunstköpfe garantieren dagegen den Untertanen Ruhe und der Herrschaft Planungssicherheit.

Nun eine Liste mit empfehlenswerter Literatur für Kinder, Jugendliche und Erwachsene (Abkürzungen K, J, E):

  • Wer hat noch keinen Wechselkopf? Annemarie Abschaedler, Birnen-Verlag (K, 8–12)
  • Strohköpfchen und Holzlöckchen. Ein Märchen von Prof. Dr. Horst Gießvogel, Verlag Tuscher (K, 3–6)
  • Ein neues Lämpchen für unsere kleine Leuchte. Wilhelmine Blitzer, Austausch-Verlag (K, 5–8)
  • Durch und mit Vollgips überlegt handeln. W. M. Bein-Bruch, Gypsum (E)
  • Wir betonieren dir Einen. Benedikt Hartenschädler, Concrete (J)
  • Mit Bohnenstroh in die neuen Zeiten. Valentina Knister, Kaffeesatz Verlag (J, E)

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Autor: Christoph Waghubinger
Lizenz: CC BY-SA 4.0